SJBO: Jubiläumsgala in der Mindelheimer Stadtpfarrkirche

Benefizkonzert mit zwei Spendenzwecken



Der ASM habe mit dem Kirchenkonzert in der Mindelheimer Stadtpfarrkirche St. Stephan ganz bewusst eine Brücke zur Kirche aufgebaut, denn kirchliche Veranstaltungen gehören nicht nur zu den regelmäßigen Aufgaben der Mitgliedskapellen des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes, sondern die Historie vieler Kapellen sei vor allem in den Kirchenarchiven nachzulesen, erklärte ASM-Präsident Franz Josef Pschierer in seiner Begrüßung. Der Mindelheimer Stadtpfarrer Daniel Rietzler freute sich, dass das SJBO in seiner Kirche zu Gast war und betonte die gute Verbindung zwischen Blasmusik und Kirche.

SJBO-Dirigentin Dr. Verena Bryant hatte sich ein festlich-fulminantes Programm ausgedacht, das auch viele nachdenkliche Momente bereithielt. Auf den ersten wies gleich Stadtpfarrer Daniel Rietzler hin: »Amazing Grace« beschreibe die Gnade Gottes mit einer wunderbaren Melodie. Bei diesem Werk hatte Sängerin Caroline Adler ihren ersten Einsatz, die zum zweiten Mal beim SJBO zu Gast war. Zunächst aber eröffnete das Schwäbische Jugendblasorchester den Abend mit »Alleluja! Laudamus Te« von Alfred Reed. In den festlichen Jubelchor des Orchesters stimmte auch die Orgel ein und vereinte sich mit diesem zu einem imposanten Gesamtklang. Drei Gastauftritte hatte Organist Michael Lachenmayr im Programm, und weil der Organist am Spieltisch auf der Orgelempore mit dem Rücken zum Orchester sitzt, fungierte ASM-Verbandsdirigentin Sandra Settele als Bindeglied zwischen Orchester und Orgel – eine anspruchsvolle Aufgabe: »Aufgrund der Entfernung zwischen Orchester und Orgel reichte es nicht, zusammen mit Verena zu dirigieren. Ich musste immer ein bisschen voraus sein, damit das Publikum unten in der Kirche Orchester und Orgel als Gesamtklang wahrnehmen konnte«, berichtete Sandra Settele nach dem Konzert.

Optische und atmosphärische Unterstützung durch die Lichtinstallation in der Kirche

Moderatorin Julia Plail erläuterte den rund 600 Besucherinnen und Besuchern in der voll besetzten Kirche den Hintergrund der einzelnen Werke und gab den einen oder anderen nachdenklichen Impuls, der während der folgenden Musik wirken konnte – optisch und atmosphärisch unterstützt durch die Lichtinstallation im Kirchenraum, die die Stimmung der Musik feinfühlig und einfühlsam unterstützte.

Neben dem Orchester hatte bei »And the Swallow« (Caroline Shaw) auch ein Bläserensemble einen besonderen Auftritt. Mit »Panis angelicus« (César Franck), »Du bist die Welt für mich« (Richard Tauber) und »Riften Wed« (Julie Giroux) machte das SJBO programmatische Ausflüge in die klassische Musik, die Operette und sogar zu einem Computerspiel: »Riften Wed« wurde vom Fantasy-Computerspiel »Skyrim« inspiriert.

Sehr persönlich wurde es mit »All Stars are Love« von Steven Bryant. Der Komponist ist nicht nur der Ehemann von Dirigentin Dr. Verena Mösenbichler-Bryant, sondern hatte das Werk für seine Braut als Überraschungs-Hochzeitsgeschenk komponiert. 2017 hatte er aus dem ursprünglichen Lied für Sopran eine Fassung für Gesang und Blasorchester geschaffen. Nun dirigierte die Beschenkte es selbst beim SJBO-Konzert in der atmosphärisch illuminierten Kirche St. Stephan – ein echter Gänsehautmoment.

Das letzte Werk des offiziellen Programms, David Maslankas »Symphony No. 4« vermittelte dem Publikum nicht nur ganz unterschiedliche, beeindruckende, kraftvolle und bisweilen auch bestürzende Höreindrücke, sondern gab dem einen oder der anderen auch etwas zum Nachdenken mit auf den Heimweg. Vor dem endgültigen Ende des Konzerts erklatschte sich das hingerissene Publikum aber noch eine Zugabe: Bei »Goodnight Moon« (Eric Whitacre) hatte auch Sängerin Caroline Adler nochmals einen Auftritt.

Benefizkonzert mit zwei Spendenzwecken

Der Spendenerlös des Kirchenkonzerts ging an den »Freundeskreis Kirchenmusik St. Stephanus« und die Kulturstiftung »Klingendes Schwaben – Christl und Karl Kling« – ASM-Präsident Franz Josef Pschierer gedachte bei der Verkündung des Spendenzwecks der Stiftungsgründer: seines 2021 verstorbenen Amtsvorgängers Karl Kling und dessen Ende August verstorbener Gattin Christl.

Rund 70 Musikerinnen und Musiker umfasste das Orchester diesmal – etwas weniger als sonst. Die Orchestergröße war schlicht dem begrenzten Platzangebot im Altarraum der Kirche geschuldet. Dennoch waren wieder einige Neulinge im Orchester vertreten, das jüngste Orchestermitglied war gerade einmal 13 Jahre jung. Das dreiköpfige Betreuungsteam um Orchestermanagerin und »Orchestermama« Barbara Batzer kümmerte sich während der einwöchigen Probenphase im schwäbischen Roggenburg wie gewohnt um die jungen Musikerinnen und Musiker. Der akustische Wechsel vom Proben- in den Kirchenraum gelang dank einer sechsstündigen Probe, die am Donnerstag in Mindelheim abgehalten werden konnte. Das Programm und die herausfordernde Akustik in der Kirche verlangte dem Orchester und seiner Dirigentin alles ab, aber der Aufwand hat sich wirklich gelohnt.

Nächstes SJBO-Konzert traditionell am 6. Januar

Schon am 6. Januar gibt es die nächste Gelegenheit, das Schwäbische Jugendblasorchester zu erleben. Dann wieder in seinem »Wohnzimmer«, dem Forum am Hofgarten in Günzburg. Das Motto des Programms lautet – passend zum wie im Fluge vergangenen ASM-Jubiläumsjahr – »Time flies«. Dementsprechend werden Stücke zu hören sein, die sich auf die eine oder andere Weise mit der Zeit auseinandersetzen. Das Konzert eröffnet traditionell das ASM-Jahr. Informationen zum Kartenvorverkauf gibt es rechtzeitig vor dem Konzert in der »Blasmusik in Bayern« oder auf der ASM-Webseite.         

Text und Fotos: Martin Hommer