Schwäbisches Jugendblasorchester eröffnet ASM-Jubiläumsjahr

Einen besseren Anfang hätte das Jubiläum "90 Jahre Allgäu-Schwäbischer Musikbund " nicht nehmen können als das grandiose Konzert des Schwäbischen Jugendblasorchesters in der Vöhlinhalle, und ASM-Bezirksleiterin Marita Kaiser hatte in ihrem Grußwort nicht zu viel versprochen: Die Nachwuchs-Elite des ASM präsentierte sich in Bestform, und das Publikum erlebte sinfonische Blasmusik vom Feinsten in all ihren Facetten. Wer bisher noch nicht gewusst hatte, zu welcher Vielseitigkeit, Virtuosität und Spielfreude ein modernes Blasorchester in der Lage ist und wie viel Spaß dies beim Zuhören bereitet, der erfuhr hier, was den Reiz, die Spannung und die Attraktivität dieser Musikgattung für Jung und Alt ausmacht. Chefdirigent Toni Scholl hatte schon mit der Programmauswahl alles getan, um die Qualitäten seines Orchesters ebenso zur Geltung zu bringen und gleichzeitig der Hörerschar die riesige Freude zu vermitteln, die vom ersten Takt bis zum letzten Schlussakkord vom Podium auf den Saal übersprang. Minutenlanger Beifall belohnte die nahezu neunzig Ausführenden nach jedem Programmpunkt. Eingangs schwelgte der monumentale Klangkörper in wienerischer Operettenseligkeit mit der Ouvertüre zum "Zigeunerbaron", wobei Johann Strauß garantiert seine helle Freude sowohl an der Blasorchesterfassung seines Erfolgs-"Hits" als auch an dessen Umsetzung durch das Orchester gehabt hätte. Wie bei einem brillanten Feuerwerk schloss sich diesem Auftakt ein geradezu atemberaubender Effekt an: "Extreme Make-Over" von Johan de Meij gab allen Registern willkommene Gelegenheit zur Präsentation ihres herausragenden Könnens, die dieses in allen Spielarten aufleuchten ließen und bei den Hörern geradezu atemlose Spannung erzeugten. Klangeffekte der Instrumente und dazu mit passend gestimmten Wasserflaschen bereiteten allseits Vergnügen, und so wurde der kompositorische Geniestreich zu einem rundum überwältigenden Erlebnis. Nach der Pause erlebte man eine Uraufführung von Franco Hänles Neubearbeitung des "Kaisermarsches" von Richard Wagner, eine ursprünglich zur Reichsgründung anno 1871 geschaffenen Paraphrase über den Choral "Ein feste Burg ist unser Gott". Das Werk wurde damals kein besonderer Erfolg; im nun vorliegenden Arrangement des Illertisser Dirigenten hat es aber alle Chancen, im kommenden Jahr zur 500-Jahrfeier der Reformation große Anerkennung zu finden. Dann ging es in die vielfarbige Klangwelt des Orients, wo sich bei der "Arabesque" von Samuel Hazo wiederum das gesamte Orchester durch technische Virtuosität und mitreißende Gestaltung auszeichnete. Als musikalischer Spaß erster Klasse entpuppte sich "Moskau Tscherjomuschki", in dem sich Dimitri Schostakowitsch mit den westlichen Stilmitteln Musical und Operette über die korrupte Politik der Nach-Stalin-Aera lustig machte und durch folkloristische Anklänge wie Kosakentänze doch gleichzeitig den Anschein der Regimetreue erweckte. Den absoluten Gipfel der musikalischen Späße gab es aber zum Schluss: In "Godzilla Eats Las Vegas" von Eric Whitacre überschlugen sich die Musikstile und boten den jungen Leuten willkommene Anlässe für allerlei Gags, die nicht nur die Instrumente, sondern auch die Stimmen der Musikerinnen und Musiker aufs Höchste beanspruchten, als der Überfall des Filmmonsters auf die Show-, Jazz- und Casino-Metropole unter hysterischem Kreischen geschildert wurde. Für den kaum enden wollenden Beifall dankte Toni Scholl in bester Neujahrskonzert-Manier mit dem "Radetzky-Marsch", womit das Schwäbische Jugendblasorchester eine rundum begeisternde Visitenkarte abgab.

 

(wis)


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